Aktueller Trend: #Abschiebechallenge

Bei einer sogenannten Challenge, nominieren sich Nutzer*innen gegenseitig durch  einen bestimmten Hashtag, der über die sozialen Medien verbreitet wird. Dabei geht es darum bestimmte Herausforderungen zu bewältigen, die durch den Hashtag inhaltlich verlangt werden. Diese Challenge wird dann mit einem Bild oder einem Video festgehalten und mit Freunden über verschiedene Kanäle geteilt. Einer der einflussreichsten Hashtags war zum Beispiel die „#ALSicebucketchallenge“ im Jahr 2014. Besonders bei Prominenten war diese Challenge sehr beliebt und wurde zahlreich geteilt[1]. Dabei bestand die Aufgabe darin, einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf zu gießen, um in Anschluss eine andere Person zu nominieren, die dasselbe tun sollte. Die Aktion galt dem guten Zweck, die Beiträge sollten auf die ALS-Erkrankung aufmerksam machen, um so möglichst viele Spenden für Betroffene zu sammeln.

Anders ist die aktuelle Challenge unter dem Hashtag „#Abschiebechallenge“ zu deuten, die seit dem 1. April 2019 auf Twitter zu finden ist. Verstärkt wurde diese Aktion mit einem Aufruf über Facebook durch die NPD-Partei[2]. Einen Tag nach der Veröffentlichung sorgte der Hashtag für große Empörung in den Social Media Netzwerken und befand sich bereits nach kurzer Zeit auf Platz 4 der Twitter-Trends.

Mit dem Hashtag „#Abschiebechallenge“ rufen Akteure aus der rechten Szene sich gegenseitig auf, Menschen mit Migrationshintergrund namentlich zu benennen und sich mit dem Namen, auf einem Blatt Papier schriftlich festgehalten, zu fotografieren. Im Anschluss wird das entstandene Bild auf den eigenen Social Media Kanälen geteilt und dadurch in den verschiedenen Sozialen Netzwerken sichtbar. Dabei  ist auffällig, dass hauptsächlich Personen mit ausländischen Namen benannt werden, die sich in der Vergangenheit kritisch und vor allem öffentlich zu verschiedenen Akteuren, Gruppierungen oder Parteien aus der rechten Szene geäußert haben (siehe Beispiel 1). Die benannten Personen, werden seitens der Rechten mit dem Hashtag „#Abschiebechallenge“ metaphorisch für die Abschiebung „nominiert“ und so gleichzeitig öffentlich diffamiert.

Hier zeigt sich besonders deutlich wie Agenda-Setting über das Internet betrieben wird. Der Hashtag „#Abschiebechallenge“ wird missbräuchlich verbreitet und hat keinerlei juristische Gültigkeit. Dennoch kann in kürzester Zeit durch Soziale Medien eine nicht zu unterschätzende Reichweite und große mediale Aufmerksamkeit erreicht werden. Um diese Challenge zu stoppen bzw. diesem Hashtag entgegenzuwirken, ist eine Gegenbewegung entstanden, die unter dem Hashtag #ichbleibe gegen die Abschiebechallenge protestiert, darunter befinden sich auch Prominente wie z.B.  die Journalistin und Fernsehmoderatorin Dunja Hayali (siehe Beispiel 5).

[1] Vgl. Info unter: ALS Association, abgerufen am 03.04.2019.

[2] Vgl. NPD Facebookseite unter:  https://www.facebook.com/npd.de/, abgerufen am 03.04.2019.

Beispiel 1:

Beispiel 2:

Beispiel 3: Screenshot (02.03.2019)
Quelle: https://twitter.com/hashtag/Abschiebechallenge?src=hash [Stand 03.04.2019]

screenshot1

 

Abbildung 4. Screenshot (02.03.2019) Quelle: https://twitter.com/hashtag/Abschiebechallenge?src=hash [Stand 03.04.2019]

Screenshot2

Beispiel 5:

[i] Vgl. Info unter: ALS Association, abgerufen am 03.04.2019.

[ii] Vgl. NPD Facebookseite unter:  https://www.facebook.com/npd.de/, abgerufen am 03.04.2019.