Bei geschultem Blick ist rechtes Gedankengut auf dem Instagramprofil von Melanie Schmitz, Mitglied der „Identitären Bewegung“, zwar nicht zu übersehen, doch schaut man ohne großes Vorwissen auf den Kanal, zeigen sich zunächst für das soziale Netzwerk übliche Sujets wie Selbstdarstellung, Selfies und das Privatleben. Zwischen diesen sympathisch anmutenden Posts, die zeitgenössische Internetmemes sowie Sprachschemen beinhalten, werden aber auch subtil politische Meinungen geäußert: so trägt Melanie Schmitz auf einem Bild ein T-Shirt mit der Aufschrift „In Memoriam France“, dass von der Firma „Patriote Productions“ vertrieben wird und einen patriotischen Charakter hat. Auf einen ersten, oberflächlichen Blick ist man bei eben jenem Foto aber dazu geneigt, nur eine Frau in Hipster-Ästhetik zu sehen. Auch sonst zeigen sich in ihren Aufnahmen, ihrer Kleidung und der Art ihrer Sprache viele Schnittstellen zur Hipsterkultur.


Ihre Heimat, deren Geschichte und Tradition zählen zu den wichtigsten Motiven, die sie in ihren Postings anspricht. Es scheint, als würde „Rechts sein“ nichts anderes bedeuten, als seine Heimat zu lieben; und nur wer rechts ist, liebt sie wirklich — eine starke Vereinfachung, die sämtliche rassistischen und rückständigen Überzeugungen von extrem rechter Ideologie verschleiert.
Als Beispiel hierfür steht ein Post, in dem Melanie Schmitz vor einem Kiosk steht und das Bild mit „Schlägel und Eisen“ kommentiert. Es entsteht der Eindruck, dass sie sich durch solche Posts auf alte, „ehrwürdige“ deutsche Traditionen wie die Bergwerksarbeit beruft und diese glorifiziert, um auszudrücken, dass früher alles seine „Ordnung“ hatte. An anderer Stelle postet sie ein Bild von sich, auf dem sie schwarze Kleidung sowie schwarze Haare trägt, und schreibt in einem Hashtag dazu „blackhairsehridentitaer“, um sich auf eine scheinbar ironische Art mit der Thematik der Haarfarbe von Südländern und ihrer identitären Positionen auseinander zu setzen.

Auch mit dem rechten, konservativen Frauenbild geht sie spielerisch um, in dem sie sich in einem Bild klischeehaft als Hausfrau inszeniert, während sie sich ansonsten eher als unabhängige und zuweilen aggressive Aktivistin präsentiert. Auch die Bildunterschrift steht in starkem Kontrast zur Hausfrauen-Inszenierung:

„Wir sind die Kinder, vor denen euch die Amadeu-Antonio-Stiftung immer gewarnt hat. #richtigesmädchen#deutschemutter#flechtzöpfe#zöpfegegenlinks#zöpfeundkleider #hausundhandarbeiten#genderquatsch

Beim Betrachter vermag sie damit gezielt Verwirrung auszulösen. Das Ziel dieser Strategie lautet möglicherweise zu verdeutlichen, dass die Neuen Rechten den früheren rechten Vorstellungen nicht mehr in Gänze entsprechen und sich an die moderne Welt angepasst haben.

Ohne die Bildunterschriften mit ihren Hashtags und Sprüchen wirken solche Bilder sehr beliebig. Erst durch die zugehörige Beschreibung erhalten sie einen Zusammenhang und vermitteln häufig rechte Überzeugungen. Neben dem humorvollen Umgang mit ihrer politischen Einstellung findet sich zwischen zahlreichen Selfies auch ein Foto einer Gedenkstätte für die Opfer des ersten Weltkriegs, der Siegfrid-Figur auf dem Ehrenriedhof auf dem Kaiserberg in Duisburg, die bereits seit langer Zeit von Neonazis missbraucht wird. Während schon die drapierte Deutschlandfahne einen kleinen Hinweis darstellt, zitiert sie mit Ernst von Salomon einen Autoren, dessen Werk zum Kanon der Neuen Rechten gehört:

„Deutschland brannte dunkel in verwegenen Hirnen. Deutschland war da, wo um es gerungen wurde, es zeigte sich, wo bewehrte Hände nach seinem Bestande griffen, es strahlte grell, wo die Besessenen seines Geistes um Deutschlands willen den letzten Einsatz wagten.“

Eindeutig verweist Melanie Schmitz damit auf ihre Vorstellung von der Gegenwart, nach der es aufgrund von scheinbaren Gefahren von außen auch heute nötig sei, für sein Vaterland zu kämpfen. Beim Mythos ‚Deutschland‘, den Ernst von Salomon anspricht, handelt es sich um eine Erzählung, die bei Rechtsextremen den Kampf gegen alles Fremde, historisch rechtfertigen soll, um die eigene ‚Schicksalsgemeinschaft‘ zu schützen.


Die eigene Verteidigung aus Angst vor dem Fremden ist ein Kernelement der rechten Ideologie, dass oft durch Hetze motiviert wird. Eben jene Hetze möchte Melanie Schmitz wieder salonfähig machen und betreibt dabei eine massive Verharmlosung, die allein die Definition des Dudens für ‚Hetze‘ veranschaulicht: So beschreibt Hetze die „Gesamtheit unsachlicher, gehässiger, verleumderischer, verunglimpfender Äußerungen und Handlungen, die Hassgefühle, feindselige Stimmungen und Emotionen gegen jemanden“ erzeugt.[1] Laut ihrer Beschreibung sei Hetze jedoch ein zu Unrecht verurteilter Begriff, der Menschen daran hindere, „unkonventionelle und unbeliebte“ Meinungen auszudrücken:

„ “Hetze“ – so ein typischer politischer Kampfbegriff, der verwendet wird, um Meinungen rechts der Mitte zu diffamieren. Viele bekommen da Angst ihre Meinung zu äußern, niemand will ein Hetzer sein. Wir schon! Wir lassen uns von solchen Worten nicht beeindrucken und ziehen uns den Schuh einfach ganz gemütlich an. Wenn “hetzen“ bedeutet seine unkonventionelle und unbeliebte Meinung auszudrücken, dann hetzen wir gerne und dann sollten noch viel, viel mehr Leute hetzen.“

Folgt man der Definition des Dudens, wird an dieser Bildunterschrift zu einem Ausschnitt aus ihrem Rapsong eines der wichtigsten Ziele der Identitären Bewegung deutlich: Das ‚Unsagbare‘ sagbar zu machen und Menschen zu ermutigen, auf unsachlicher Ebene Feindseligkeit und Hass als legitime Mittel im Diskurs einzusetzen. Rechtsextreme Motive, wie die ethisch bedingte Ausgrenzung von Minderheiten, sollen wieder öffentlich kommuniziert werden dürfen, ohne dass man sich Sorgen um die Reaktionen darauf machen muss.

Die Vermischung solcher Inhalte, die sich eindeutig rechter Ideologie zuordnen lassen, mit privaten Postings dürfte bei Followern die Akzeptanz ihrer Gesinnung enorm erleichtern. Wer ihren Kanal durchstöbert, wischt sich erst von sympathischem ‚Boyfriend-Content‘, in dem sie von ihrer großen Liebe schwärmt, hin zu Selfies mit extravaganten Outfits, die mit humorvollen Sprüchen untertitelt sind. Landet man anschließend bei Bildern, die Heimatverbundenheit, Patriotismus und andere rechtsgerichtete Inhalte thematisieren, erscheint es möglich, dass die kritische Distanz des Betrachters bereits durch die entstandene Nähe zu Melanie Schmitz vermindert wird. Die ‚coole‘, positiv aufgeladene und nahbare Neue Rechte Bewegung wirkt somit anschlussfähig, indem sie ihre Weltanschauung mithilfe der Möglichkeiten des sozialen Netzwerks auf geschickte Art und Weise transportiert.

[1] vgl. Duden. unter: <https://www.duden.de/rechtschreibung/Hetze> [Stand 15.03.2019]