Nicolai Nerling bezieht zu den Einordnungen aus Presse und anderen Kritikern in seinen Videos mehrfach Stellung.

In dem Video Achtung Neonazi 2.01 vom 01.02.2019 geht Nerling auf einen Flyer über seine Person ein, welchen er, laut eigener Aussage, überall in seiner Nachbarschaft verteilt gefunden hat. In dem Flyer stehe, dass er Hass gegen Einwanderer, Linke und Muslime verbreite. Als Stellungnahme darauf fragt er, wann er dies je getan hätte. Er antwortet weiter damit, dass die Gewalt doch eher von links komme und zeigt auf Sticker von der Antifa, mit Sprüchen wie „Nazis klatschen“ und „I hate Nazis“. Mit vielen Muslimen verstehe er sich wohl gut, trotzdem sei es ein Problem, dass so viele Muslime in Deutschland leben würden.

Auf die Kritik, dass er bereits mit sehr vielen bekannten Personen aus der Neonaziszene vernetzt sei, zählt er Namen von mehreren Neonazis, (Ex-)NPD-Mitgliedern und Holocaust-Leugner*innen auf, welche er unter anderem schon getroffen hat: Horst Mahler, Ursula Haverbeck, Thorsten Heise, Baldur Landogart und Udo Voigt. Im sarkastischen Ton kommentiert er: „Ach, alles übelste Neonazis […] oder Altnazis.“ Mit diesen Personen habe er sich getroffen, weil er mit allen rede wolle und alle zu Wort kommen lasse. Dies sagt er auch im Video Volkslehrer beimSchild & Schwert Festival“ in Ostritz – TEIL 1 2. Hier ordnet er sich selber zunächst als Rechter ein. Dann bezeichnet er sich selber als Journalist und Youtuber, welcher mit dem Video nur über das Rechtsrockfestival berichten möchte. Die nationale Szene interessiere ihn sehr und er würde diese zum ersten Mal erkunden. „Ich komme aus keiner Szene. Ich bin ein freidenkender Mensch.“, führt er weiter aus. 1

Dieser behaupteten neutralen und offenen Haltung, die er mit dem Journalistenimage scheinbar festigen möchte, steht sein Umgang mit seinen Gesprächspartner*
innen gegenüber. So bezeichnet er Thorsten Heise, den Landesvorsitzenden der NPD Thüringen, als „duften Typen“ und bestätigt Heises Zuspruch, bisher nur Positives voneinander gehört zu haben. Auch hinterfragt der Volkslehrer die Antworten Heises im Interview nicht ein einziges Mal; vielmehr nickt und bestätigt er diese. Außerdem bezeichnet er seinen Gesprächspartner weiterhin als „Mann der Zukunft“ und als jemanden der positive Energie daraus ziehe, das Richtige zu tun. 2

Wir müssen anfangen in Deutschland dynamische Netzwerke zu bilden. Wir müssen uns unabhängig machen von dem System was uns einspinnt [und] uns den Lebenssaft aussaugt“, sagt Heise im Interview. Auch das wird von Nerling bestätigt und weiter ausgeführt: „Richtig. […] Das muss von unten kommen. Wie du vorhin meintest: auf Gemeindeebene – da muss die Kraft herkommen. Wir dürfen jetzt nicht darauf warten, dass irgendjemand die Regierung stürzt und eine neue installiert“. Hier verlässt Nerling deutlich die neutrale Haltung des Journalisten und agiert eher in der Rolle des Volkslehrers. Er ruft zur Aktion und spricht vom „wir“, ebenso wie Heise es auch tut. 2

Nerlings Haltung im Interview mit politisch eher rechten Personen lässt sich zusammenfassen, mit einer recht kumpelhaften und Zustimmenden Art und Weise. Anders ist seine Herangehensweise mit Menschen, die sich eher links einordnen. Im Video Lachen und Leiden mit Linken – Demo gegen Hass und Rassismus im Bundestag 22.10.2017 3 begibt er sich auf eben jene Demo mit einem selbst gebasteltem Schild in der Hand. Auf einer Seite des Schildes mit einem Werbeplakat der Partei „Die Linke“ mit der Aufschrift „Mensch“ in bunten Lettern und „Entschieden gegen rechte Hetze“. Auf der anderen Seite dasselbe Plakat, diesmal jedoch beklebt mit unzähligen antifaschistischen Stickern wie „Good Night White Pride“, „Stop Nazis Now“ und „Punch Nazis“. Mit diesem Plakat konfrontiert Nerling einzelne Demogänger und Organisatoren. Zunächst zeigt er das unbeklebte Werbeplakat einem scheinbaren Mitglied der Linken und behauptet, die Message hinter dem Plakat großartig zu finden. Dann fragt er, ob es denn auch Hetze von links gebe. Nachdem der Befragte verneint, tauscht Nerling das Plakat mit der Stickervariante aus und fragt weiter: „Wenn ich dir das hier zeige… Diese Aufkleber. Ist das dann Hetze, oder ist das keine Hetze?“. Dies sei das antifaschistische Statement gegen Nazis, antwortet der Befragte. Nerling zeigt auf einzelne Sticker und fragt weiter: „`Wenn Rassisten angreifen…sorgt dafür das [sic!] sie es nie wieder tun.‘ Das ist auch keine Hetze?“. Außerdem, ob es in Ordnung wäre, gegen Nazis zur Gewalt aufzurufen und ob die Person es unterstützen würde, Nazis zu boxen. Auf diese letzte Frage antwortet der Befragte deutlich genervt: „Ist das jetzt sechsmal dieselbe Frage? Hast du noch `ne andere Frage?“. Darauf geht der Volkslehrer nicht ein und fragt immer weiter. 3

Mit zwei anderen Demo-Teilnehmern scheint Nerling zunächst auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Sie fänden es nicht unbedingt schade, wenn Nazis Gewalt angetan werde, aber es sei nicht der richtige Weg. Viel wichtiger sei es in Diskussion zu kommen statt Gewalt auszuüben. Nerling scheint begeistert, nickt und stimmt zu: „Das finde ich super“. Ihm selber passiere es oft, dass Menschen sich nicht mit ihm unterhalten möchten und später bestärkt er noch einmal: „Genau, Gewalt wollen wir eigentlich nicht“. Dieser Aussage folgt die Frage nach der Herkunft der befragten Personen – ob sie denn in Deutschland geboren seien. Wieso er diese Frage stellt, welche mit der eigentlichen Prämisse des Videos nicht viel zu tun hat, erläutert er nicht. 3

An anderer Stelle behauptet er im Video „Gewalttaten begehen die Linken weit häufiger als die Rechten“. Eine statistische Quelle nennt er hierbei nicht, nur einzelne Anekdoten wie die Verwüstung des Stands des Antaios Verlages auf der Frankfurter Buchmesse. Der zum Veröffentlichungsdatum des Videos relevante aktuelle Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2016 kann die Aussage des Volkslehrers nicht direkt stützen. Hier kommt es aber auch auf die Definition und die Auslegung der Begriffe Straftaten und Gewalttaten an.

1 Nerling, Nicolai (2019): Youtube-Video: Achtung Neonazi 2.0. Online verfügbar: https://www.youtube.com/watch?v=x18utl1KU7M. Zuletzt aufgerufen am: 18.03.2019

Nerling, Nicolai (2018): Volkslehrer beim „Schild & Schwert Festival“ in Ostritz – TEIL 1. Online verfügbar: https://youtu.be/Xb84mKysqn8. Zuletzt aufgerufen am: 18.03.2019

Nerling, Nicolai (2017): Lachen und Leiden mit Linken – Demo gegen Hass und Rassismus im Bundestag 22.10.2017. Online verfügbar: https://www.youtube.com/watch?v=oBFL1gmbLuY&feature=youtu.be&t=49. Zuletzt aufgerufen am: 18.03.2019

4 Bundesministerium des Inneren (2016): Verfassungsschutzbericht 2016. Online verfügbar: https://www.verfassungsschutz.de/embed/vsbericht-2016.pdf. Zuletzt aufgerufen am: 18.03.2019

5 Deutschlandfunk (2018): Nachgefragt: Rechts- und linksextremistisch motivierte Straftaten. Online verfügbar: https://www.deutschlandfunk.de/nachgefragt-rechts-und-linksextremistisch-motivierte.2852.de.html?dram:article_id=426767. Zuletzt aufgerufen am: 18.03.2019